Vom Klingeltrafo zum sprechenden Haus: die Geschichte des Smart Home
Als 1975 in Schottland ein System namens X10 vorgestellt wurde, klang das nach Science-Fiction: Lampen und Geräte sollten über die vorhandenen Stromleitungen Befehle empfangen. Kein neues Kabel, keine Fernbedienung mit Sichtkontakt. Man steckte einen Sender in eine Steckdose und einen Empfänger in eine andere.
X10 funktionierte – ungefähr. Störungen im Stromnetz sorgten dafür, dass Lampen von selbst angingen. Die Übertragung war langsam. Aber die Idee war in der Welt.
Die 1990er: der Bus kommt
Mitte der Neunziger schlossen sich europäische Hersteller zusammen und schufen einen gemeinsamen Standard, aus dem später KNX wurde. Der entscheidende Unterschied zu X10: eine eigene Datenleitung neben dem Strom. Zuverlässig, herstellerübergreifend, aber teuer und aufwendig zu verlegen.
KNX wurde damit das, was es bis heute ist: der Standard für Neubauten und größere Sanierungen – und für alle anderen zu aufwendig.
Die 2010er: alles wird App
Mit dem Smartphone kam der zweite Anlauf, diesmal per Funk. Plötzlich gab es Lampen, Thermostate und Steckdosen, die man in zehn Minuten einrichten konnte. Der Preis dafür fiel erst später auf: Jedes System hatte seine eigene App, seine eigene Cloud, seinen eigenen Server.
Wer Geräte dreier Hersteller kaufte, hatte drei Apps – und keine sprach mit der anderen. Und wenn ein Anbieter seinen Dienst einstellte, war die Hardware wertlos.
Heute: zurück zur Unabhängigkeit
Die aktuelle Entwicklung geht in zwei Richtungen. Zum einen versucht der Standard Matter, die Herstellerinseln zu verbinden. Zum anderen wächst das Interesse an lokalen Zentralen wie Home Assistant, die alles im Haus zusammenführen – ohne Cloud.
Damit ist die Entwicklung fast wieder da, wo KNX 1996 stand: bei einem System, das unabhängig vom Hersteller funktioniert. Nur eben ohne dass man dafür Wände aufstemmen muss.
Was das für Sie heißt
Die Lehre aus fünfzig Jahren lautet: Setzen Sie nicht auf ein System, dessen Funktion davon abhängt, dass ein Unternehmen weiter existiert und weiter Lust auf dieses Produkt hat. Was lokal läuft, läuft auch in zehn Jahren noch.
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