Notstrom und Ersatzstrom
Fällt das Netz aus, schaltet sich eine normale PV-Anlage ab – auch bei strahlendem Sonnenschein.
Warum das so ist, was eine Backup-Box daran ändert und welche Lösung zu Ihrem Haus passt.
Fällt das Netz aus, schaltet sich eine normale PV-Anlage ab – auch bei strahlendem Sonnenschein.
Warum das so ist, was eine Backup-Box daran ändert und welche Lösung zu Ihrem Haus passt.
Das ist kein Fehler, sondern Vorschrift – und ein Sicherheitsmerkmal. Würde Ihre PV-Anlage bei einem Netzausfall weiter einspeisen, stünde das Ortsnetz unter Spannung, obwohl es abgeschaltet sein soll. Für die Monteure des Netzbetreibers, die dann am Netz arbeiten, wäre das lebensgefährlich.
Deshalb trennt sich jede netzgekoppelte Anlage bei Netzausfall automatisch ab. Ohne zusätzliche Technik steht Ihr Haus damit im Dunkeln, obwohl die Sonne scheint und der Speicher voll ist.
Die zusätzliche Technik heißt je nach Hersteller Backup-Box, EPS-Box oder Backup Gateway. Ihre Aufgabe ist immer dieselbe: das Haus sicher vom öffentlichen Netz trennen und danach ein eigenes, kleines Inselnetz aufbauen. Bei einzelnen Geräten steckt diese Umschalteinrichtung bereits im Wechselrichter – nötig ist sie in jedem Fall.
Die beiden Begriffe werden ständig verwechselt, auch von Anbietern. Für Sie macht der Unterschied im Ernstfall aber alles aus:
| Notstrom | Ersatzstrom | |
|---|---|---|
| Was wird versorgt | Eine einzelne Steckdose oder wenige Stromkreise | Das gesamte Hausnetz oder ein definierter Teil davon |
| Umschaltung | Meist von Hand – Sie müssen etwas tun | Automatisch, in der Regel unter einer Sekunde |
| Phasen | Häufig nur einphasig | Dreiphasig möglich |
| PV lädt nach | Meist nicht | Ja, der Speicher wird tagsüber wieder gefüllt |
| Schwarzstart | Nein | Je nach System – längst nicht jedes Gerät kann ohne Netz von selbst anlaufen |
| Aufwand | Gering | Höher: eigene Umschalteinrichtung im Zählerschrank |
Praktisch heißt das: Mit Notstrom können Sie den Kühlschrank per Verlängerungskabel an eine Steckdose hängen. Mit Ersatzstrom geht für ein bis drei Sekunden das Licht aus, danach läuft das Haus weiter – während die Nachbarn im Dunkeln sitzen.
Auch Ersatzstrom ist keine unterbrechungsfreie Versorgung. Empfindliche Geräte wie ein Desktop-Rechner oder mancher Router starten bei der Umschaltung neu. Wer das nicht will, braucht zusätzlich eine kleine USV für genau diese Geräte.

Tesla Backup Gateway 2 – erkennt den Netzausfall, trennt das Haus ab und baut das Inselnetz auf.
Technisch ist sie unspektakulär – im Kern ein Schütz, das umlegt. Ihre Aufgabe ist trotzdem der sicherheitskritischste Teil der ganzen Anlage: Sie kappt die Verbindung zum öffentlichen Netz, bevor der Wechselrichter anfängt, selbst Spannung zu erzeugen.
Ohne diese Trennung würde Ihr Speicher bei einem Stromausfall in die Ortsleitung einspeisen. Ein aufgebaggertes Kabel oder ein Monteur am vermeintlich toten Netz stünde dann unter der Spannung Ihrer Anlage. Genau das verhindert die Box – deshalb ist sie keine Komfortausstattung, sondern Voraussetzung.
Bei allen hier genannten Systemen läuft das automatisch ab: Netzausfall erkannt, getrennt, Inselnetz aufgebaut. Sie selbst müssen dafür nichts tun.
Tesla, Huawei, SMA und Fox ESS bieten alle Ersatzstrom an, und bei allen sitzt der Ersatzstromausgang im Wechselrichter. Die Netztrennung übernimmt er aber nicht – dafür braucht es in fast allen Fällen ein eigenes Gerät:
| Wechselrichter | Umschalteinrichtung | Im Ersatzstrombetrieb | Umschaltzeit |
|---|---|---|---|
| Tesla Powerwall 3P | Backup Gateway 2 | dreiphasig, ganzes Haus, Schwarzstart | unter 1 Sekunde |
| Fox ESS AIO H3, H3 E, H3 Pro | EPS Box Pro | dreiphasig, bis 63 A je Phase | rund 1,5 Sekunden |
| Huawei SUN2000 M1 (dreiphasig) | Backup Box-B1 | max. 5.000 VA bzw. 22,7 A | unter 3 Sekunden |
| Huawei SUN2000 L1 (einphasig) | Backup Box-B0 | einphasig | unter 3 Sekunden |
| SMA Sunny Tripower Smart Energy | im Wechselrichter integriert | dreiphasig | wenige Sekunden |
| SMA Sunny Boy Smart Energy | SMA Backup 3P Kit | ein- oder dreiphasig | wenige Sekunden |
Der Sunny Tripower Smart Energy ist die Ausnahme in dieser Runde: Bei ihm sitzt die Umschalteinrichtung im Gerät selbst. Verschwunden ist sie damit nicht – sie ist eingebaut statt danebengehängt. Beim älteren Sunny Island und beim Sunny Boy Smart Energy braucht es dagegen eine externe Einrichtung, und die darf laut SMA nicht selbst zusammengebaut werden.
Auf die Leistungsangabe in der dritten Spalte lohnt sich ein Blick: Die Huawei-Box gibt im Ersatzstrombetrieb 5 kVA ab, die Fox-Box bis zu 63 A je Phase. Das ist ein erheblicher Unterschied, wenn im Ernstfall mehr laufen soll als Kühlschrank und Licht. Welche Größe zu Ihrem Haus passt, rechnen wir vorher durch.
Ersatzstrom heißt nicht, dass sich nichts ändert. Ihr Speicher hat eine begrenzte Leistung, und alles, was gleichzeitig läuft, teilt sich diese Leistung.
Wie lange Sie durchhalten, hängt an der Speichergröße und daran, ob die Sonne scheint. Ein durchschnittlicher Haushalt kommt mit rund 10 kWh Speicher grob einen Tag weit, wenn er sich auf das Nötige beschränkt. Mit PV-Nachladung im Sommer praktisch unbegrenzt.
Die Netztrennung ist der sicherheitskritische Teil der ganzen Anlage – hier geht es um das Leben der Monteure am Ortsnetz.
Eine ersatzstromfähige Anlage greift tief in Ihre Hausinstallation ein. Im Zählerschrank kommt eine Umschalteinrichtung dazu, die im Fehlerfall zuverlässig verhindert, dass Ihr Speicher Spannung ins Ortsnetz zurückschickt. Dazu kommt die korrekte Erdung des Inselnetzes – ohne sie funktionieren Ihre Fehlerstromschutzschalter im Ersatzstrombetrieb nicht.
Beides ist in den VDE-Anwendungsregeln geregelt und gehört in die Hand eines eingetragenen Elektrofachbetriebs. Wir übernehmen Planung, Umsetzung, Netzanmeldung und Inbetriebnahme – und dokumentieren die Anlage so, dass sie auch bei einer späteren Prüfung Bestand hat.
Oft ja, aber es hängt am Wechselrichter. Manche Geräte sind ab Werk vorbereitet und brauchen nur die Backup-Box, andere nicht. Der Aufwand im Zählerschrank fällt in jedem Fall an. Wir prüfen das an Ihrer vorhandenen Anlage.
Eine Gas- oder Ölheizung braucht nur Strom für Pumpe und Steuerung – das schafft jeder Ersatzstrombetrieb. Eine Wärmepumpe zieht deutlich mehr und muss bei der Auslegung berücksichtigt werden.
Ein sparsamer Haushalt kommt mit rund 10 kWh etwa einen Tag aus. Scheint die Sonne, lädt die PV-Anlage tagsüber nach – dann ist die Dauer praktisch unbegrenzt. Im Winter bei Dauerbewölkung sieht es anders aus.
Kurz ja. Die Umschaltung dauert bei guten Systemen unter einer Sekunde – Licht flackert, empfindliche Elektronik startet unter Umständen neu. Eine echte unterbrechungsfreie Versorgung ist das nicht.
Rein wirtschaftlich rechnet sich Ersatzstrom nicht – Stromausfälle sind in Deutschland selten. Es ist eine Frage der Sicherheit und der Ruhe: Wer im Homeoffice arbeitet, eine Wärmepumpe hat, auf medizinische Geräte angewiesen ist oder einfach vorbereitet sein möchte, entscheidet sich bewusst dafür. Wir reden Ihnen das nicht ein.
Ob sich der Aufwand für Sie lohnt, hängt an Ihrem Haus, Ihrer Heizung und Ihrem Anspruch. Schildern Sie uns kurz Ihre Situation – wir sagen Ihnen ehrlich, was möglich ist und was es bedeutet.
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