Wenn Strom nichts kostet: das Phänomen der negativen Preise
Am 2. Juli 2023 kostete Strom an der Börse zeitweise minus 50 Euro je Megawattstunde. Wer in dieser Stunde Strom verbrauchte, bekam theoretisch Geld dafür. Das klingt absurd – hat aber eine schlichte Erklärung.
Warum es negative Preise gibt
Strom muss in dem Moment verbraucht werden, in dem er erzeugt wird. Das Netz kennt kein Zwischenlager. Wenn an einem windigen, sonnigen Sonntag im Frühling sehr viel Strom erzeugt wird und gleichzeitig Industrie und Büros stillstehen, entsteht ein Überschuss.
Nun kann man Kraftwerke nicht beliebig schnell abschalten. Ein Kohle- oder Kernkraftwerk herunter- und wieder hochzufahren dauert Stunden und kostet Geld. Für den Betreiber kann es deshalb günstiger sein, für die Abnahme des Stroms zu bezahlen, als die Anlage zu stoppen.
Wie oft das vorkommt
Negative Preise treten vor allem an Wochenenden und Feiertagen im Frühjahr und Sommer auf – bei viel Wind oder Sonne und geringer Nachfrage. Die Zahl solcher Stunden ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen, weil mehr erneuerbare Leistung im Netz ist.
Was Sie als Haushalt davon haben
Hier kommt die Ernüchterung: Der Börsenpreis ist nur ein Teil Ihrer Rechnung. Netzentgelte, Stromsteuer, Umlagen und Mehrwertsteuer fallen weiter an. Bei einem negativen Börsenpreis zahlen Sie also nicht drauf – Sie zahlen nur den Rest.
Trotzdem ist es der günstigste Moment des Jahres, um Speicher zu laden, das Auto vollzumachen oder die Wärmepumpe laufen zu lassen. Vorausgesetzt, das passiert automatisch.
Und für PV-Betreiber?
Für Neuanlagen gilt seit dem Solarspitzengesetz: In Stunden mit negativen Börsenpreisen entfällt die Einspeisevergütung. Wer dann einspeist, bekommt nichts. Ein weiterer Grund, warum Eigenverbrauch und Speicher an Bedeutung gewinnen – und warum eine Anlage heute anders geplant wird als vor fünf Jahren.
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